Fair Festival Award

FAQ rund um den FAIR FESTIVAL AWARD

FAQ rund um den FAIR FESTIVAL AWARD

  • 1. Was will der FAIR FESTIVAL AWARD?

    Mit dem FAIR FESTIVAL AWARD möchten wir Festivalarbeiter*innen, Festivals und Förderinstitutionen dazu anregen, die Arbeitsbedingungen bei Filmfestivals zu thematisieren. Wir wollen gute Vorbilder auszeichnen und auf faire Festivals hinweisen. Auch kleine Festivals mit überschaubarem Budget können im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit ihren Mitarbeiter*innen fair umgehen und sich um gute Arbeitsbedingungen kümmern – wir wollen explizit nicht nur große und üppig geförderte Festivals auszeichnen.

    Die Presse schreibt in vielen Branchen eher über Preise als über strukturelle Fragen. Daher sehen wir den FAIR FESTIVAL AWARD auch als Chance, das Thema faire Arbeitsbedingungen einmal im Jahr in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit zu rücken.

    Auch wenn der Name FAIR FESTIVAL AWARD an Wettbewerbe denken lässt, geht es uns nicht darum, Festivals gegeneinander antreten zu lassen. Vielmehr sehen wir den Preis und das ebenfalls vergebene Label „Faires Festival“ als Ansporn, die Fairness der Arbeitsbedingungen auch innerhalb von Festivals zum Thema zu machen. Es geht nicht notwendigerweise darum, „fairer als andere Festivals“ zu sein, sondern darum, die bestmöglichen Arbeitsbedingungen für das eigene Team zu ermöglichen und von diesem dafür ausgezeichnet zu werden, mit dem Instrument des FAIR FESTIVAL AWARD.

  • 2. Wie wird der FAIR FESTIVAL AWARD ermittelt und wer kann an der Umfrage zum FAIR FESTIVAL AWARD teilnehmen?

    Der FAIR FESTIVAL AWARD wird in zwei Stufen ermittelt. Jede Person, die bei Filmfestivals arbeitet und damit ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise erwirbt, kann an der allgemeinen Umfrage zum FAIR FESTIVAL AWARD teilnehmen. Aus diesen offenen Rückmeldungen werden die Festivals für die zweite Runde ermittelt (siehe auch [8. Welche Festivals sind in der zweiten Runde für den FAIR FESTIVAL AWARD?]).

    In einer zweiten Runde fragen wir möglichst die gesamte Belegschaft der Festivals ab, die in der ersten Runde am besten abgeschnitten haben bzw. von denen die meisten Rückmeldungen kamen. Damit wollen wir vermeiden, dass Einzelstimmen zu viel Gewicht bekommen. Das Verfahren ist angelehnt an den Fair Film Award, den Crew United seit 2012 mit vergibt. Wir wenden uns an alle, die professionell für Filmfestivals arbeiten und dies nicht nur als Hobby betrachten. Aber auch an diejenigen, die aktuell unentgeltlich für Filmfestivals arbeiten und die der Ansicht sind, dass ihre Tätigkeit vergütet werden sollte.

    Nicht zur Zielgruppe des FAIR FESTIVAL AWARDS gehören momentan die Mitarbeiter*innen von Festivals, die ausschließlich rein ehrenamtlich organisiert sind – darauf ist unser aktueller Fragenkatalog nicht ausgerichtet.

    Wer, wie viele Festivalarbeiter*innen, für mehr als ein Festival arbeitet, sollte für jedes Festival eine eigene Umfrage ausfüllen.

  • 3. Warum gibt es den FAIR FESTIVAL AWARD jährlich? Ist das nicht inflationär?

    Die meisten Filmfestivals finden einmal im Jahr statt, aber bisher hat die Frage nach den Arbeitsbedingungen und der Fairness bei Filmfestivals noch keine Rolle gespielt. In Deutschland gibt es geschätzt 400 Filmfestivals mit Tausenden von Beschäftigten, aber es gibt keine branchenspezifischen Standards für Arbeitsbedingungen und Vergütungen.

    Deshalb wollen wir dieses Thema mit dem jährlichen FAIR FESTIVAL AWARD ins Zentrum rücken. Inspiriert hat uns auch der jährlich vergebene Fair Film Award, der in einer Branche mit einer ähnlichen Beschäftigtenstruktur das Bewusstsein für Fairness verbessert hat (siehe auch [2. Wer kann an der Umfrage zum FAIR FESTIVAL AWARD teilnehmen?].

    Wie die jährlich ausgelobten Preise der Festivals wollen wir jährlich die Frage nach der Fairness stellen, um unsere Anliegen und Fragen öffentlich zu diskutieren, und ein Bewusstsein für Arbeitsbedingungen bei Beschäftigten, Festivalverantwortlichen und Förderinstitutionen zu schaffen, und langfristig Standards zu setzen.

    Durch die spezifische Struktur von Filmfestivals ist es auch möglich, dass sich die Arbeitsbedingungen innerhalb eines Jahres grundlegend ändern, dass Festivals eingestellt werden, sich neu gründen oder ihren Schwerpunkt verändern. Auch deshalb halten wir eine jährliche Umfrage für notwendig.

    Neben dem FAIR FESTIVAL AWARD arbeiten wir aber auch an konkreten Ansätzen, um Vergütungsstandards und Tarifstrukturen für die Festivalbranche zu etablieren. Die Rückmeldungen aus dem FAIR FESTIVAL AWARD helfen uns auch, unsere Ziele im Sinne der Festivalarbeiter*innen zu fokussieren.

  • 4. Warum sollte Fairness von Festivalarbeiter*innen bewertet werden, wenn es doch sowieso gesetzliche Standards gibt, an die sich alle Festivals halten müssen?

    Stimmt, es gibt zum Beispiel einen gesetzlichen Mindestlohn, das Arbeitszeitgesetz, das Allgemeine Gleichstellungsgesetz und viele Gesetze mehr. Aber auch wenn Mindeststandards eingehalten werden, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass Arbeitsbedingungen gerecht oder fair sind oder so empfunden werden.

    So sind viele der Tätigkeiten bei Filmfestivals hochqualifiziert und stellen hohe Anforderungen. Trotzdem bewegen sich die Vergütungen oft kaum über dem gesetzlichen Mindestlohn oder unterschreiten diesen sogar. Eine Vergütung, die an der Qualifikation der Mitarbeiter*innen bemessen ist, gibt es fast nicht, auch weil viele Filmfestivals von den Förderinstitutionen für diesen Zweck nicht ausgestattet werden. Vielmehr ist die Vergütung in der Regel durch die finanzielle Ausstattung des Festivals begrenzt. Wenn Festivals ihre Beschäftigten aus diesem Grund nicht angemessen vergüten, liegt hierin eine systemische Unfairness. Dies wollen wir durch die Umfrage und den FAIR FESTIVAL AWARD offenlegen und thematisieren.

  • 5. Warum sollte ich an der Umfrage zum FAIR FESTIVAL AWARD teilnehmen? Das Festival, für das ich arbeite, hat kaum Geld. Es hat sowieso keine Chance zu gewinnen und wird durch den AWARD gegen besser ausgestattete Festivals ausgespielt.

    Weil wir finden, man sollte über das, was gut läuft, und auch das, was nicht gut läuft, sprechen. Dazu wollen wir über die Bewertung im FAIR FESTIVAL AWARD einen Anlass geben. Festivals mit geringer finanzieller Ausstattung können naturgemäß keine Spitzengehälter oder hohe Honorare zahlen. Hierauf wollen wir aufmerksam machen. Das heißt aber nicht automatisch, dass nicht auch knapp ausgestattete Festivals mit ihren Mitteln fair gegenüber ihren Beschäftigten umgehen können. Wir haben festgestellt, dass Festivals hier zum Teil sehr kreativ sind und im Rahmen ihrer Möglichkeiten fair bezahlen, z.B. dadurch, dass alle dasselbe bekommen oder denselben Stundensatz. Oder auch nur dadurch, dass sie offen und transparent über die Gehaltsstrukturen kommunizieren, wie es in anderen Ländern durchaus üblich ist. Im ersten FAIR FESTIVAL AWARD waren das Kriterien, die auch bei kleineren Festivals als positiv und fair bewertet wurden. So haben wir die Auszeichnung „Faires Festival“ 2021 auch an ein Festival vergeben können, das kein großes Budget hat und keine Festanstellungen bietet, sondern stattdessen seine Honorarstruktur für alle Mitarbeiter*innen offen kommuniziert.

    Aber Geld allein ist nicht alles. Weitere Fairnesskriterien spielen eine Rolle, wie die Vertragsbedingungen, das Arbeitsklima sowie die Mitbestimmung, Chancengleichheit und Gleichbehandlung.

    Nur wenn wir Unfairness thematisieren, gibt es die Chance auf Änderung. Dies sehen wir auch als Chance für die Verantwortlichen der Festivals. Deshalb halten wir es für sinnvoll, wenn du alle Festivals, bei denen du in den vergangenen 12 Monaten gearbeitet hast, auf alle Fälle bewertest, und nicht nur die großen und besser finanzierten, potentiellen „Gewinner“. Nur so bekommen wir einen Überblick über die Situation für Festivalarbeiter*innen, um das für eine Veränderung nutzen zu können.

  • 6. Warum wenden wir uns auch an die Festivals, um unsere Umfrage an seine Mitarbeiter*innen zu verteilen?

    Dies tun wir, um möglichst viele Beschäftigte zu erreichen und ein realistisches Bild vom Fairnessfaktor der Arbeitsbedingungen zu erhalten. Unser Verteiler wächst, ist jedoch nicht groß genug, um von möglichst vielen Festivals eine signifikante Anzahl von Bewertungen zu erhalten. Denn viele Beschäftigte der Branche arbeiten für mehr als ein Festival, sie haben nur temporäre Verträge und zeitlich begrenzte Festival-Emailadressen. Auch die freien Mitarbeiter*innen sind für uns schwer zu erreichen.

    Wir sind außerdem der Meinung, dass die Frage nach den Arbeitsbedingungen auch für Festivalleitungen interessant sein muss und dass wir im Grunde ähnliche Interessen verfolgen. Es geht uns nicht um Wettbewerb im Sinne von „das aktivste Festival gewinnt“, sondern um eine gesellschaftliche Diskussion über den Wert von Festivalarbeit und damit um den Wert von Filmfestivals (siehe auch [1. Was will der FAIR FESTIVAL AWARD].

  • 7. Warum tut ver.di nicht einfach was für die Filmfestivals und setzt sich für deren bessere Finanzierung ein?

    Der FAIR FESTIVAL AWARD wird organisiert von der AG Festivalarbeit in ver.di. Wir sind eine Gruppe von Festivalarbeiter*innen, die sich im Herbst 2017 unter dem Dach von ver.di zusammengefunden hat. Wir sprechen aus eigener Erfahrung und über unsere Anliegen. Aus langjähriger Festivalarbeit wissen wir, dass mehr Geld für Festivals nicht automatisch eine bessere Vergütung für Beschäftigte bedeutet. Oft sind Gelder zweckgebunden für die Entwicklung weiterer Programme, Wettbewerbe oder Branchenveranstaltungen, ohne Personalkosten ausreichend zu berücksichtigen.

    ver.di agiert nicht über die Köpfe der Beschäftigten hinweg, sondern immer gemeinsam mit ihnen. Gewerkschaftsarbeit funktioniert beteiligungsorientiert. ver.di wird immer dann aktiv, wenn sich betroffene Beschäftigte organisieren, Forderungen oder Verbesserungen formulieren und sich gemeinsam dafür einsetzen. So hat die AG Festivalarbeit in ver.di u.a. das Konzept für den FAIR FESTIVAL AWARD entwickelt. Bisher sind wir eine kleine Gruppe mit beschränkten Ressourcen und arbeiten daran, schrittweise mehr und dadurch stärker zu werden. Besonders durch die ver.di Tarifarbeit wissen wir, dass Forderungen umso nachdrücklicher und leichter durchsetzbar werden, je mehr Unterstützung sie durch viele Beschäftigte erfahren.

    Die Pandemie hat der Öffentlichkeit und auch der Politik verdeutlicht, wie prekär viele Kulturschaffende, und dazu gehören auch Festivalarbeiter*innen, vergütet werden. So setzt sich zum Beispiel der Kulturrat für eine angemessene Vergütung für Kulturschaffende ein. Auch ver.di hat sich für Tarifverträge für alle Solo-Selbständigen ausgesprochen, zu denen auch viele Festivalarbeiter*innen zählen.

  • 8. Welche Festivals sind in der zweiten Runde für den FAIR FESTIVAL AWARD?

    Folgende 20 Festivals haben in der ersten Runde am besten abgeschnitten. Deshalb bitten wir im April 2022 alle festen und freien Mitarbeiter*innen dieser Festivals, sich an der zweiten Runde für den FAIR FESTIVAL AWARD zu beteiligen:

    • Berlinale
    • DOK Leipzig
    • DOK.fest München
    • Edimotion
    • Filmfest Dresden
    • Filmfest Hamburg
    • Filmfest München
    • Filmfestival Max Ophüls Preis
    • FILMKUNSTFEST Mecklenburg-Vorpommern
    • goEast
    • interfilm Berlin
    • International Kurzfilmtage Oberhausen
    • Internationales Filmfest Braunschweig
    • Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg
    • Internationales Frauen* Film Fest Dortmund+Köln
    • Kasseler Dokumentar- & Videofest
    • Kinofest Lünen
    • Kurzfilm Festival Hamburg
    • Nordische Filmtage Lübeck
    • OpenEyes Festival Marburg

    Um die Fairness der Arbeitsbedingungen bei diesem Festival umfassend und ausgewogen beurteilen zu können, hoffen wir auf eine möglichst breite Beteiligung der gesamten Festivalteams. Alle Mitarbeiter*innen dieser Festivals, Feste wie Freie, die an der Festivalausgabe 2021 mitgearbeitet haben, sind deshalb aufgerufen, sich an der Umfrage zu beteiligen. Siehe auch [2. Wie wird der FAIR FESTIVAL AWARD ermittelt und wer kann an der Umfrage zum FAIR FESTIVAL AWARD teilnehmen?].

 

Wer ist die AG Festivalarbeit in ver.di?

Anfang 2016 hatten Alexandra Hertwig (Kasseler Dokfest), Andrea Kuhn (Filmfestival der Menschenrechte Nürnberg), Grit Lemke (damals DOK Leipzig) und Ludwig Sporrer (DOK.fest München) die Initiative „Festivalarbeit gerecht gestalten“ gegründet. Nach ersten Gesprächen von haupt- und ehrenamtlichen ver.di-Aktiven in Leipzig mit Gründerinnen der Initiative war schnell klar, dass ihre Anliegen und Ziele weitestgehend übereinstimmen. Zum ersten Treffen im November 2016 in Leipzig kamen fast 100 Mitarbeiter*innen von Filmfestivals.

Nach einem zweiten Vernetzungstreffen im Rahmen der Berlinale 2017 haben sich die Festivalarbeiter*innen dann im September 2017 erstmals unter dem Motto "WIR machen Festivals – Festivalarbeit gerecht gestalten" zusammengefunden, um die teils katastrophalen Arbeitsverhältnisse der insgesamt mehreren Tausend Erwerbstätigen bei Filmfestivals in Deutschland zu thematisieren und sich für deren Verbesserung stark zu machen.

Seitdem hat die AG Festivalarbeit etliche Veranstaltungen ausgerichtet sowie 2021 zum ersten Mal den FAIR FESTIVAL AWARD vergeben.

Wer sich bei uns engagieren will, ist herzlich willkommen!

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